Ein Tag im Leben eines Systemintegrators

Timo, Head of System Integration

Ehrlich gesagt sind es zwei Tage im Leben eines Systemintegrators, denn kein Tag gleicht dem anderen.

Mittwoch

7:00

Der Wecker klingelt. Im Halbschlaf mache ich mich auf den Weg unter die Dusche. Aah, sehr erfrischend! Nun ab in die Fahrradklamotten, Tasche gepackt und los.

Nach einem aufmunternden Fahrradritt vom Berliner Stadtrand nach Mitte geht's zum Bäcker nebenan um mir mein Frühstück zu kaufen.

8:30

Ich nehme mein Frühstück vor dem Rechner ein, browse durch meine Mails und lese ein paar Technik-News-Websites und Blogs. In der Softwareentwicklung gibt es bekanntermaßen ständig neue Trends und ich will mich auf dem Laufenden halten. Dann werfe ich einen Blick ins Ticketsystem und schaue, was es in der Zwischenzeit Neues gegeben hat und beantworte Rückfragen oder weise Aufgaben zu. Danach schaue ich in meine Aufgabenliste und versuche, meinen Tag zu strukturieren.

Mit ein paar einfachen kleineren Aufgaben (meistens Feedback auf Fragen oder Mails) beginne ich, um schon ein bisschen was abgearbeitet zu haben, bevor die morgendlichen Scrums und Stand-Ups beginnen.

11:00

In den Stand-Ups der Projektteams erzählt jeder, welche Aufgaben er am Tag zuvor erledigt hat und welche Aufgaben für heute anstehen. Ggf. werden die Aufgaben neu priorisiert und verteilt.

11:30

Ich setze mich an die erste größere Aufgabe ran: Deploymentkonzept für ein größeres Projekt schreiben. Die von unserem Team zu entwickelnde Webapplikation muss auf mehrere Server verteilt werden, die alle eine eigene Aufgabe haben (Redaktionssystem, Webserver, Datenbankserver, Server für Suchindex etc.). Diese Server gibt es in mehreren Stages (Test, Staging, Produktion). Mit welchen Methoden wird zu welchen Zeitpunkten die Applikation verteilt? Welche Branches in unserer GIT-Versionsverwaltung kommen wohin? Wie werden Versionsnummern vergeben? Nach welchen Prozessen (QS/Abnahme intern, QS/Abnahme durch den Kunden) findet ein Deployment auf das Produktionssystem statt?

12:00

Sahin und Olli kommen in mein Büro mit einem Problem. Für ein Projekt, wo das von uns betreute Content-Management-System mit einer externen Datenbank verbunden wird, stellt sich eine von uns skizzierte Lösung in der Praxis leider als nicht praktikabel heraus. Das CMS ist an der Stelle zu unflexibel, also müssen wir kurzfristig eine andere Umsetzung finden. Nach einem kurzen Brainstorming gibt's die zündende Idee. Wir probieren sie kurz aus und sie funktioniert so wie wir es uns das vorgestellt haben. Sahin und Olli kehren zurück in ihr Büro und bauen die Lösung in ihre Applikation ein.

Nach dieser kurzen Unterbrechung geht's zurück zum Deploymentkonzept.

12:50

Ob Regen oder Schnee, um Punkt 12:50 geht ein Teil unserer Firma zum Mittagessen. Entweder ins Paparazzi im Axel-Springer-Verlagshaus um die Ecke oder zu einem der vielen Vietnamesischen Imbisse im Block. Heute gibt's laut Internet Burger im Paparazzi, also hin!

13:30

Telko mit dem IT-Dienstleister eines Kunden. Es geht um die Möglichkeiten, wie wir eine Apache Solr-Installation durchführen können, so dass es in ihre Systemlandschaft passt und sie alle Security-Anforderungen erfüllt. Der IT-Dienstleister fragt, über welche Protokolle und Ports die angebundenen Systeme mit Solr kommunizieren und ich erläutere, wie üblicherweise die Kommunikation abläuft. Der Dienstleister zieht sich zurück und schickt mir später am Nachmittag eine Systemskizze, die ich dann absegne.

14:30

Katrin kommt zur Tür herein und benötigt für ein von ihr betreutes Projekt ein kleines Skript, um die Ausgabe von Konfigurationsparametern in HTML umzusetzen, die redaktionell in einem CMS gepflegt werden. Dazu ist es nötig, einen kleinen Formatter in der Skriptsprache TCL zu programmieren. Ich zeige ihr, an welcher Stelle man die Formatter einbaut und schreibe den Rumpf für das Skript. Ich zeige ihr eine andere Stelle, wo bereits ein ähnlicher Formatter programmiert wurde und sie macht sich danach selbst ans Werk.

15:00

Nun ist die interne Qualitätssicherung/Code Review für ein Programm-Modul in einem anderen Projekt dran. Ich gehe die Funktionen alle durch und probiere sie aus. Dann schaue ich mir den Quelltext an und vergleiche alles mit dem technischen Konzept. Kleinere Fehler fixe ich gleich selbst, größere gebe ich an das Projektteam zurück.

17:30

Da ich morgen einen Auswärtstermin habe, lese ich mir nochmal das Lastenheft des Kunden durch und mache mir Notizen für den Kick-Off-Termin morgen. Wann geht der Flug? Oh Gott! Wo muss ich hin? Alles klar!

Meine beiden Kollegen sind bereits auf dem Weg zum Kunden, weil sie nicht so gerne früh aufstehen. Ich auch nicht, aber ich schlafe lieber im eigenen Bett.

18:30

Feierabend! Ich schmeiße mich wieder in die Fahrradklamotten und mache mich auf den Weg nach Hause. Ein Stündchen Sport nach der Arbeit hilft total, die Seele zu entspannen und sich gedanklich auf einen erholsamen Abend im Kreise der Liebsten vorzubereiten.

Donnerstag

4:50

Der Wecker klingelt. Es ist dunkel draußen! Ich gehe ins Bad, ziehe mich um und frühstücke eine Kleinigkeit. 

5:45

Das Taxi wartet vor der Tür und bringt mich zum Flughafen Tegel, wo ich den Flug um 6:30 Uhr in eine deutsche Großstadt nehme. Dort angekommen steige ich in die Bahn und fahre zu einer U-Bahn-Haltestelle in der Nähe des Kunden, wo schon meine beiden Kollegen warten.

9:00

Kick-Off-Meeting zur Programmierphase bei einem Neukunden. Dort wird in den nächsten Monaten ein größeres Projekt umgesetzt. Die Konzeptionskollegen waren in den letzten Wochen schon zu Gange und haben ein Fachkonzept erarbeitet, sowie das Screendesign und den HTML-Dummy.

Bei diesem Projekt sollen Redakteure die Inhalte in dem von uns betreuten CMS pflegen. Die Website selbst wird aber durch ein Portalsystem ausgeliefert. Im Vorfeld haben wir mit den Consultants des Portalsystems in einem Proof-of-Concept ausprobiert, ob die gemeinsam konzipierte Vorgehensweise auch in der Praxis funktioniert. Nun geht es also um die echte Umsetzung.

Alle Beteiligten treffen sich also nun, einerseits um sich kennenzulernen, andererseits, um den Projektplan nochmal durchzugehen und die Aufgaben für die nächste Zeit zu verteilen.

12:30

Mittagspause. Zeit, mit dem Team des Kunden auch nochmal etwas lockerer zu plaudern und sich weiter kennenzulernen. Die Zusammenarbeit ist später viel einfacher, wenn man sich ein bisschen beschnuppert hat, vor allem in Phasen, wo man räumlich getrennt gemeinsam am Projekt arbeitet.

13:30

Nun formieren sich die einzelnen Teams und es werden erste Aufgaben gemeinsam bearbeitet. Teilweise werden schon die ersten Schritte programmiert, teilweise finden noch ein paar konzeptionelle Besprechungen statt.

17:00

Der Kundentermin ist beendet. Ich gehe mit meinen beiden Pinuts-Kollegen noch in ein Wirtshaus und wir lassen den Abend gemütlich ausklingen, bevor ich mich wieder auf den Weg zum Flughafen mache. Die Kollegen bleiben die Woche über beim Kunden und machen sich auf den Weg ins Hotel.

20:00

Ich sitze wieder am Flughafen und warte auf den Flieger zurück. Ich bin zwar ein bisschen müde, aber ich freue mich über einen erfolgreichen Tag.