Internationales Webdesign: Worauf Unternehmen achten sollten

Internationales Webdesign

Andere Länder, andere Sitten. Was für die zwischenmenschliche Kommunikation gilt, ist auch für eine international ausgerichtete Unternehmenswebsite von Bedeutung. Neben der Übersetzung der Inhalte sollten auch bei der Struktur, dem Design und den technischen Parametern der Website die länderspezifischen Besonderheiten berücksichtigt werden. Wir stellen Ihnen die wichtigsten Kriterien vor, die Sie bei der Gestaltung Ihrer internationalen Unternehmenswebsite berücksichtigen sollten.

Struktur und Inhaltstiefe einer Website

Bereits bei der grundlegenden Struktur einer Website zeigen sich große Unterschiede zwischen den Kulturen. Während westlich geprägte Internetnutzer klar gegliederte Strukturen bevorzugen, bei denen einzelne Aspekte der Website bewusst in den Vordergrund gerückt werden, fehlt dieser Anspruch an die Übersichtlichkeit im asiatischen Webdesign vollkommen. Dort werden in der Regel alle Informationen gleichwertig präsentiert und die Gewichtung der einzelnen Elemente wird den Website-Besuchern überlassen, die sich alle benötigten Informationen heraussuchen und uninteressante Inhalte gedanklich ausblenden. Was im asiatischen Raum völlig üblich ist, führt schnell dazu, dass Europäer die Websites aus Fernost als unstrukturiert und grell empfinden.

Ein schönes Beispiel für das in Europa ungewohnte Webdesign ist die asiatische Jobbörse 51job.com, die auf wenig Raum eine immense Fülle an Informationen bietet. Selbst die Websites der japanischen Post und der japanischen Botschaft in Deutschland sind vergleichsweise bunt und grell. Einige weitere Beispiele für Unterschiede im internationalen Webdesign, etwa Websites von östlichen und westlichen Design-Agenturen, bietet dieser Beitrag der Zeitung "Freitag".

Screenshot der asiatischen Jobbörse 51job.com
Ein typisches Merkmal asiatischer Websites: Viele Informationen auf wenig Raum. (Screenshot: 51.job.com)

Auch die Erwartungen an die Inhaltstiefe der Websites unterscheidet sich oft grundlegend zwischen verschiedenen Kulturen, was sich durch den sehr interessanten Ansatz der High-Context- und Low-Context-Kulturen erklären lässt.

Während in High-Context-Kulturen (z.B. China, Japan und Korea) die zentralen Informationen eher indirekt vermittelt werden und erst mit Kenntnis gemeinsamer Bräuche, Sitten etc. verständlich werden, sind die Inhalte in Low-Context-Kulturen (z.B. Deutschland und die USA) in der Regel ohne zusätzliche Informationen über die Kultur verständlich und deutlich offensiver formuliert. Das spiegelt sich beispielsweise in der für westliche Websites typischen Gestaltung von Call to Action-Elementen wider, die darauf optimiert sind, in nur wenigen Sekunden die wesentliche Information erfassbar zu machen.

Die besondere Bedeutung der Farben

Weiß steht für die Reinheit, Schwarz für die Trauer und Rot ist ein Warnsignal? In Europa und den USA mag das stimmen, in anderen Kulturen werden die Farben hingegen oft mit ganz anderen Bedeutungen verknüpft. Beispielsweise wird das vermeintlich reine Weiß im asiatischen Raum mit Trauer verbunden, Rot hingegen mit Lebensfreude und Heiterkeit.

Ähnlich gravierende Unterschiede weist die Farbe Grün auf: In Europa wird sie mit der Natur verbunden, im arabischen Raum hingegen hat sie eine religiös geprägte Bedeutung und wird mit dem Islam assoziiert. In China wiederum ist Grün stark negativ belegt und wird als Symbolfarbe für den Betrug gesehen.

Diese Interpretationen von Farben sollten auch in der Gestaltung einer internationalen Website berücksichtigt werden, wenngleich dieser Aspekt nicht überbewertet werden sollte. Kein Unternehmen kann eine Website entwerfen, die alle Farbsymbole optimal vereint. Dafür sind die regionalen Unterschiede schlicht zu umfassend.

Wenn sich Ihr Unternehmen allerdings auf eine spezielle Region oder ein Land fokussiert, sollte versucht werden, das Farbschema der Website an die dortige Symbolik anzupassen. So vermeiden Sie negative Assoziationen mit Ihrem Produkt, die sich möglicherweise auf den Geschäftserfolg auswirken.

Technische Besonderheiten führen zu Problemen

Neben der inhaltlichen und symbolischen Ebene des Webdesigns gibt es auch technische Gründe, sich mit den regionalen Unterschieden in der Internetnutzung beschäftigen. Interessant ist beispielsweise die Frage, welche Browser für die Darstellung der Websites genutzt werden. Während in Deutschland vor allem Firefox, Chrome, Safari und der Internet Explorer im Einsatz sind, zeigt sich in anderen Ländern eine grundlegend andere Verteilung. Für China wird etwa in einigen Statistiken eine Verbreitung des Browsers Qihoo 360 von über 25% ausgewiesen. Auch der Internet Explorer ist in Fernost noch deutlich stärker vertreten als hierzulande.

Im internationalen Webdesign ist es folglich entscheidend, die Websites auch für solche Browser kompatibel zu gestalten, die in Europa vergleichsweise unbekannt sind, in anderen Ländern aber zum Standard gehören. Allerdings gilt auch hier die Einschränkung, dass nicht alle denkbaren technischen Unterschiede beachtet werden können. Unternehmen sollten individuell entscheiden, welche Märkte angesprochen werden sollen, und sich anschließend auf die dortigen technischen Unterschiede konzentrieren.

Baidu und Yandex
Baidu und Yandex: Die größten Suchmaschinen in China und Russland.

Google ist nicht überall an der Spitze

Deutliche Unterschiede bestehen zudem im Bereich der Suchmaschinen. Während Google in westlich geprägten Ländern der unangefochtene Branchenprimus ist, verzeichnet in Russland die Suchmaschine Yandex mehr als 60% Marktanteil. In China wiederum ist Baidu.com die Suchmaschine mit der höchsten Zahl an Suchanfragen. Auch diese Informationen sollten bei der Gestaltung einer international ausgerichteten Website bedacht werden.

Internationales Webdesign muss individuell sein

Wer sich mit den zahlreichen Ausprägungen des internationalen Webdesigns befasst, stellt schnell fest, dass niemals alle regionalen Besonderheiten berücksichtigt werden können. Darüber hinaus dürfte jedem Webdesigner bewusst sein, dass die beschriebenen Unterschiede nur allgemeine Tendenzen darstellen und keinesfalls für jeden Internetnutzer gültig sind. Auch zwischen verschiedenen Unternehmensbranchen, sei es im B2B oder im B2C-Geschäft, sind klare Unterschiede zu erwarten, die sich auf das Webdesign auswirken.

Jedes Unternehmen sollte daher genau prüfen, welche Regionen und welche Website-Elemente für den Geschäftserfolg relevant sind. Darüber hinaus sollten Erfahrungen aus der eigenen Branche und Informationen über die jeweiligen Zielgruppen in die Bewertung einfließen. Auf dieser Basis kann ein Webdesign entworfen werden, das sowohl die Bedürfnisse von Interessenten und Kunden berücksichtigt als auch die Unternehmensziele optimal unterstützt.

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