Dark Patterns – die dunkle Seite des Interface-Designs

Dark Patterns gehören im Bereich der Software-Entwicklung zu den sogenannten Anti-Patterns, die den Nutzer irreführen und - im schlechtesten Fall - zu einer Handlung verleiten, die er so gar nicht durchführen wollte. Um dieses „Fehlverhalten“ zu auszulösen, werden erlernte Verhaltensmuster ausgenutzt und User durch geschickt platzierte Buttons oder irreführende Drop-Down Menüs manipuliert. Leider finden wir Dark Patterns nicht, wie man meinen sollte, ausschließlich bei kleinen Webseiten mit zweifelhaftem Ruf; auch große Unternehmen wie Apple, Amazon und Ryanair nutzen Dark Patterns geschickt für Ihre Zwecke aus.

Ryanair griff vor einiger Zeit auf ein Dark Pattern zurück, um seinen Kunden eine Reiseversicherung zu verkaufen, die sie eigentlich nicht haben wollten. Und das, indem sie dem User vorgaukelten, er hätte gar keine andere Wahl: im Drop-Down Menu konnte man scheinbar nur das entsprechende Land auswählen; der Punkt „keine Versicherung benötigt“ (No Travel Insurance Required) lag gut versteckt in der alphabetisch sortieren Liste unter N.

Ein Beispiel, das jedem bekannt sein dürfte, sind unbeabsichtigte Newsletter-Anmeldungen: ein „White“ Pattern Interface würde die Usability durch Logik unterstützen. Das bedeutet, dass man selber einen Haken dort macht, wo man etwas HABEN möchte, in diesem Fall einen Newsletter. Dark Patterns dagegen implizieren, dass man etwas haben möchte – und erfordern, dass man einen Haken setzt, wenn das NICHT der Fall ist. Ein nach wie vor aktuelles Beispiel findet man – erneut  bei Ryanair: möchte man einen Newsletter erhalten, braucht man nichts weiter zu tun. Möchte man KEINEN Newsletter abonnieren, muss ein Haken gesetzt werden, und das, obwohl über dem entsprechenden Kästchen fälschlicherweise „Anmelden“ steht. Und da man bereits bei der Flug-Buchung seine Email-Adresse angibt, muss diese von Ryanair bei der unerwünschten Newsletter-Anmeldung nicht erneut abgefragt werden. Der Benutzer wird also doppelt und dreifach in die Irre geführt.

In unserer Artikelreihe zum Thema DSGVO sind wir bereits auf das Thema Newsletter-Anmeldung eingegangen. Lesen Sie HIER nach, worauf Sie achten müssen, um sich keinen Ärger mit der Datenschutzgrundverordnung einzuhandeln und laden Sie die Checkliste kostenfrei herunter.

Eines der derzeit populärsten Beispiele findet sich bei Apples iOS 6. Seit dieser Version nämlich gibt es ein Ad-Tracking, das das Verhalten des Benutzers verfolgt und gezieltere Werbung ermöglichen soll. Wer dieses Ad-Tracking abschalten möchte, kommt mit logischem Denken nicht weit: die gesuchte Schaltfläche verbirgt sich nämlich nicht, wie anzunehmen, unter Einstellungen, sondern unter Allgemein hinter dem Punkt Info.  Also dort, wo bislang lediglich technische Informationen wie Seriennummern und Speicherplatz hinterlegt waren. Ziemlich weit unten gibt es nun den neuen Punkt Werbung und hier findet man jetzt auch endlich das gesuchte Ad-Tracking. Auf den ersten Blick sieht das noch sehr harmlos aus, denn das Ad-Tracking scheint deaktiviert zu sein. Irrtum. Apple bedient sich hier der doppelten Verneinung, um den User endgültig zu verwirren. Der vollständige Text lautet „Ad-Tracking beschränken“, was bedeutet, dass man den Button aktivieren muss, um das Ad-Tracking zu deaktivieren.

Konversionskraft.de liefert uns ein weiteres Beispiel, diesmal allerdings aus dem Bereich der Grey Patterns. Hier geht es nicht um Manipulation oder Verschleierung, sondern darum, den User mittels Suggestion zum Umdenken zu bewegen. Die Rede ist von Spendenformularen. Im Feld „Spendenbetrag“ sind bereits drei Felder vorgegeben, die sich per Radiobutton auswählen lassen: 50,-€, 100,-€ und 500,-€. Der mittlere ist dabei per Default vorausgewählt, so dass der Eindruck erweckt wird, 100,-€ seien der Betrag, der durchschnittlich am häufigsten gespendet wird. Selbst wenn der Benutzer keinen der vorgegebenen Beträge auswählt, sondern einen anderen Betrag in das freie Feld eingibt, wird er sich an diesem 'Richtwert' orientieren. Hier wird also effektiv niemand mangels Alternativen dazu gezwungen, etwas anzuklicken, was er eigentlich nicht möchte, trotzdem liegt die Vermutung nahe, dass der am Ende gespendete Betrag höher ausfallen wird, als anfänglich geplant.

Die "Hall of Shame" von DarkPatterns.org

Interessanterweise sind oben genannte Beispiele für niemanden neu oder überraschend. Jeder Internetnutzer hat sich im Laufe seines Lebens über unlautere Vorgehensweisen geärgert. Seien es die überteuerten Versandkosten, die erst im allerletzten Schritt ausgewiesen werden, nachdem man Stunden damit verbracht hat, seinen Warenkorb zu füllen. Oder dass es eines Universitätsabschlusses bedarf ein Abonnement zu kündigen, das man innerhalb von Sekunden abgeschlossen hatte. Aber erst seit 2013 ist Dark Patterns auch offiziell ein Begriff. Erfunden und geprägt wurde er von Harry Brignull, Webdesigner und User Experience Spezialist, der auf Darkpatterns.org die Hall of Shame betreibt, auf der er bei Twitter unter dem Hashtag #darkpattern gesammelte Tweets vorstellt. Zusätzlich gibt es eine Auflistung von verschiedenen Dark Pattern-Typen wie Privacy Zuckering (durch einen Trick wird man dazu gebracht, mehr von sich preiszugeben, als man möchte) und Sneak into Basket (am Ende eines Bestellvorganges befinden sich Artikel im Warenkorb, die man nicht aktiv ausgewählt hat). Weitere ausführliche Beispiele hat Harry Brignull sehr erfolgreich auf 90percentofeverything.com zusammengetragen und erläutert. Einige der von ihm an den Pranger gestellten Firmen haben bereits eingelenkt und ihre Benutzeroberflächen überarbeitet.

Brignull macht sehr deutlich, dass der Einsatz von Dark Patterns zugunsten einer besseren Conversion Rate immer zu einer negativen Reputation führen und Kunden mit einem schlechten Gefühl zurück lassen wird. Im schlimmsten Fall wenden Sie sich an die Konkurrenz. Die Seite ist daher auch ein Appell an User-Interface-Designer, sich stets an die folgenden ethischen Prinzipien zu halten:

  • Act in the best interest of everyone
  • Be honest with everyone
  • Do no harm and if possible provide benefits

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