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Barrierefreiheit: So optimieren Sie Ihre Website

Nicht nur offline, sondern auch online r√ľckt die Bedeutung von Barrierefreiheit immer st√§rker ins Bewusstsein von Unternehmen und √∂ffentlichen Einrichtungen. Schon mit einigen technischen Anpassungen und geringf√ľgigen √Ąnderungen im Redaktionsablauf lassen sich die Inhalte einer Website auch f√ľr Menschen nutzbar machen, die unter Einschr√§nkungen leiden. Unternehmen k√∂nnen mit diesem Schritt nicht nur soziale Verantwortung beweisen, sondern auch wichtige Kennzahlen wie Page Impressions und Sichtbarkeit verbessern. 

Vermeintliche Kleinigkeiten mit gravierenden Auswirkungen

W√§hrend Menschen ohne Behinderung lediglich mit kleinen √Ąrgernissen wie mangelnder Usability zu k√§mpfen haben, sto√üen Internetnutzer mit Einschr√§nkungen h√§ufig auf un√ľberwindbare Hindernisse. Beispielsweise ist eine Webseite mit niedrigem Kontrast zwischen Text- und Hintergrundfarbe oder unver√§nderbaren Schriftgr√∂√üen f√ľr Sehbehinderte sehr schlecht lesbar, Podcasts ohne Textversion sind hingegen f√ľr Geh√∂rlose nicht nutzbar. Inhalte, die nur via Flash oder Javascript dargestellt werden k√∂nnen, schlie√üen jene Nutzer aus, die nicht √ľber die modernste Technik verf√ľgen oder besonders sichere Browsereinstellungen verwenden.

Auch bei der Strukturierung der Inhalte kommt es immer wieder zu Problemen: Eine unstrukturierte Code-Syntax ist ein gro√ües Problem f√ľr Nutzer von Screen-Readern und Personen, die ausschlie√ülich die Tastatur verwenden k√∂nnen, da inhaltlich relevante Informationen nicht von rein technischen unterscheidbar sind. So wird das Navigieren erschwert oder gar unm√∂glich gemacht.

Soziale Verantwortung und technische Vorteile der barrierefreien Website

Wer die eigene Webseite barrierearm h√§lt, √ľbernimmt soziale Verantwortung durch Inklusion und erm√∂glicht einer gr√∂√üeren Zahl an Nutzern den Zugriff auf die eigenen Website-Inhalte. Durch die Erf√ľllung des hohen technischen Anspruchs wird zudem nicht nur die eigene Online-Kompetenz demonstriert, sondern auch f√ľr eine nachhaltige Browser- und Ger√§te-Kompatibilit√§t gesorgt, die Grundlage f√ľr eine erfolgreiche Suchmaschinenoptimierung ist.

Was ist bei der barrierefreien Website-Optimierung zu beachten?

Wahrnehmbarkeit, Bedienbarkeit, Verst√§ndlichkeit und technische Robustheit. Das sind die vier Eckpfeiler der "Richtlinien f√ľr barrierefreie Webinhalte" ("Web Content Accessibility Guidelines"), die die Web Accessibility Initiative (WAI) des World Wide Web Consortiums (W3C) erarbeitet hat. Da die kompletten Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) sehr umfangreich sind, haben wir f√ľr Sie die wichtigsten Umsetzungstipps zusammengefasst.

Grunds√§tzlich gilt, dass gleich zu Beginn der Konzeption eines Webauftritts oder Relaunches der geplante Grad der Barrierefreiheit einkalkuliert werden sollte, da nachtr√§gliche Anpassungen aufw√§ndiger und aus strukturellen Gr√ľnden nicht immer umsetzbar sind. Sobald die technische Basis gelegt ist, kann die Website mit einfachen redaktionellen Arbeitsabl√§ufen dauerhaft barrierearm gehalten werden.

Klare Strukturen auf der Website schaffen

Nutzen Sie die M√∂glichkeiten, die Ihnen modernes XHTML bietet. Mit den passenden Tags k√∂nnen Sie sowohl Bereiche wie Navigation, Seitenkopf, Hauptinhalt und Fu√übereich als auch Elemente wie √úberschriften, Abs√§tze, Tabellen und Formulare kennzeichnen. Dar√ľber hinaus bieten ARIA-Attribute die M√∂glichkeit, technische Informationen f√ľr eine erleichterte Bedienung zu transportieren (zum Beispiel tabindex="2" f√ľr Angaben zur inhaltlichen Reihenfolge bei ausschlie√ülicher Tastaturbedienung oder role="navigation" f√ľr Informationen √ľber ein bestimmtes Element). Vor allem Navigationselemente innerhalb der Webseiten sollten entsprechend gekennzeichnet sein, damit der Nutzer sich optimal orientieren und durch die Inhalte navigieren kann.

Ebenso wichtig f√ľr die Strukturierung der Website ist die fehlerfreie Verschachtelung der √úberschriften-Tags <h1> bis <h6>. Sie bestimmen die logische Lesereihenfolge, sodass die Nutzung von Screenreadern erm√∂glicht bzw. vereinfacht wird. Gerade bei Tabellen sollten alle Vorgaben eingehalten werden, da diese f√ľr Screenreader besonders schwierig zu lesen sind.

Final optimiert wird der Quellcode mit einer abschlie√üenden √úberpr√ľfung und gegebenenfalls Korrektur der Konformit√§t mit g√ľltigen Programmiersprachenstandards. Auch hierzu gibt es Richtlinien und technische Hilfsmittel, die ebenfalls vom W3C bereitgestellt werden.

Alternativen f√ľr schwer zug√§ngliche Website-Inhalte

R√§umen Sie Barrieren aus, indem Sie zu den Inhalten Ihrer Webseite versteckte Alternativen anbieten, die auch f√ľr Website-Besucher mit Einschr√§nkungen nutzbar sind. F√ľr blinde Internetnutzer ist die Bedienung per Tastatur beispielsweise ein verstecktes Men√ľ hilfreich, das per Sprungmarken zu einzelnen Bereichen einer Seite f√ľhrt. Dadurch kann die assistierende Software den Kopfbereich der Website √ľberspringen und ohne Umwege zum Hauptinhalt gelangen.

F√ľr geh√∂rlose Website-Besucher hingegen sollten gesprochene Inhalte so eingepflegt sein, dass schriftliche Versionen abgerufen werden k√∂nnen. Weitere Inhaltselemente, die den Richtlinien der W3C entsprechend angepasst werden sollten, sind Grafiken und Links. W√§hrend erstere einen beschreibenden Alternativtext ben√∂tigen, brauchen Links n√§here Informationen zum Verweisziel.

Um technische Barrieren zu vermeiden, sollte darauf geachtet werden, dass alle relevanten Inhalte auch ohne die Verwendung von Flash und mit deaktiviertem Javascript und CSS abrufbar sind. Beim Einsatz eines Content Management Systems k√∂nnen all diese Anforderungen schon bei der Inhaltserstellung beachtet werden. Die Aufgabe der Redakteure ist es dann, die vorgesehenen Attribute entsprechend zu f√ľllen.

Wichtige Interaktionen vereinfachen 

Ein besonderes Augenmerk sollte immer auf die Barrierefreiheit von Formularen gerichtet werden, da der Website-Besucher direkt mit Ihrem Unternehmen interagiert. Formulare sollten grunds√§tzlich mit der Tastatur ausf√ľll- und korrigierbar sein. Bieten Sie dazu klare Ausf√ľllanweisungen, kennzeichnen Sie Pflichtfelder und formulieren Sie eindeutige Fehlermeldungen. Ebenso wichtig ist eine unmissverst√§ndliche R√ľckmeldung zu jeder vollendeten Benutzeraktion, wie z.B. dem erfolgreichen Versand einer Kontaktanfrage.

So gelingt die barrierefreie Website

Mit Hilfe von standardisierten Tests zur Barrierefreiheit, wie dem BITV-Test, können Sie einen ersten Eindruck gewinnen, wo sich mögliche Barrieren in Ihrem Online-Angebot verbergen. Abhängig von Ihrer Zielgruppe können Sie anschließend bewerten, in welchen Bereichen Sie den Anforderungen an die Barrierefreiheit entsprechen möchten. Da eine komplett barrierefreie Website sehr schwer zu erstellen und nicht immer notwendig ist, empfiehlt sich eine umfassende Konzeptionsphase, in der sowohl notwendige Maßnahmen als auch vermeidbare Aufwände identifiziert werden.
Lesedauer: 4 Minuten
Kategorie
Marketing
Schlagworte
BarrierefreiheitSEOUsability
Autor
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Jan Philip Riehle

Autor

Jan-Philip ist Experte f√ľr Webstrategien und die Konzeption von Internetprojekten. Seit 2006 ist er bei Pinuts aktiv und berichtet im Blog aus seinem umfangreichen Erfahrungsschatz.